Die deutsche Kurzgeschichte

Diese literarische Form ist typisch für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts, weil die Menschen immer weniger Zeit zum Lesen hatten und das Fernsehen teilweise das Buch verdrängte. Die Kurzgeschichte hingegen ist schnell und zwischendurch zu lesen. Daher findet sie sich auch oft in Zeitschriften, Lesebüchern und Anthologien   (= literarische Sammelbände).

Die Absicht der Autoren und Autorinnen von  Kurzgeschichten ist entweder zu unterhalten, auf ein Problem aufmerksam zu machen und/ oder den Leser zum Nachdenken anzuregen.

Kennzeichen der deutschen Kurzgeschichte:

Die Themen sind oft aus dem Alltag gegriffen. Es geht um kleine Besonderheiten im Alltag, um zwischenmenschliche Beziehungen, Liebe, Einsamkeit; um sportlichen Wettkampf, Betrug, Rassismus und andere Themen.

Es gibt nur wenige Personen, meist zwei oder drei.

Die Geschichte setzt unmittelbar ein, es gibt keine Einleitung.

Es gibt keine langen, epischen Beschreibungen, sondern nur so viel, wie notwendig ist, um sich den Ort der Handlung vorzustellen.

Meist haben die Kurzgeschichten einen oder mehrere Höhepunkte oder Wendepunkte.
Es wird nicht alles erzählt. Vieles wird ausgelassen, damit der Leser selbst Schlüsse zieht.

Die Erzählzeit ist das Präteritum, Perfekt oder das Präsens.

Die Erzählperspektive:

Er – Erzählung:

Aus auktorialer Perspektive
, wobei der Autor/die Autorin außerhalb der Handlung steht.

Aus personaler Perspektive, wobei der Autor/die Autorin in 3. Person erzählt, aber nahe einer der Personen der Handlung steht.

Ich – Erzählung:

Der Autor/die Autorin schlüpft in die Hauptperson und erzählt in Ich-Form aus ihrer Perspektive.

In die Erzählung können auch Dialoge und innere Monologe eingebaut sein.

Ein innerer Monolog gibt die Gedanken einer der Personen wieder. Dabei kann die Erzählperspektive gewechselt werden ( von der ER- Form zur Ich - Form).

Der Schluss der Kurzgeschichte ist oft ein offener Schluss, d.h. es wird dem Leser keine Lösung angeboten, und er/sie wird dazu eingeladen nachzudenken, wie die Geschichte ausgehen könnte.

Eine andere Möglichkeit ist eine Schlusspointe, d.h. eine überraschende, witzige Wende.


Einige Beispiele der deutschen Kurzgeschichte:

Ursula Wölfel: Nur für Weiße! ( Apartheid in Südafrika, Rassismus)
Werner Klose: Am roten Forst ( Fahrerflucht, ein Mensch wird gekauft)
Heinrich Böll: Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral (Was ist Zufriedenheit, Glück?)

Elisabeth Mendoza